Samstag, 23. Juni 2012

Reformationsbotschafterin

Auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München habe ich erstmals Margot Käßmann kennen gelernt, die gerade erst ein paar Monate zuvor von allen ihren kirchlichen Ämtern zurück getreten war. Mir hat dieser Rücktritt sehr imponiert, da er für Integrität und charakterliche Stärke steht, wie man sie sich auch im politischen Leben wünscht. M.K. war im November 2011 in der Erlöserkirche in München zu einer Adventsveranstaltung, wo ich sie erneut sprechen durfte. Nicht erst seitdem bin ich ein überzeugter Fan von ihr. Nach ihrem USA-Aufenthalt und der Gastprofessur an der Ruhr-Universität in Bochum ist sie seit Ende April 2012 Reformationsbotschafterin für Deutschland, denn im Jahr 2017 jährt sich zum 500sten Male der Thesenanschlag des Reformators Martin Luther. Aus diesem Anlaß bekam sie (mindestens) einen Strauß Blumen ins Haus geschickt, zuverlässig ausgeführt von ihrem Blumenhändler in Berlin.
Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann hat sich sicherlich darüber gefreut!

Sonntag, 29. April 2012

Lagrange

Joseph-Louis Compte de LAGRANGE wurde am 25.1.1736 in Turin geboren und starb am 10.4.1813 in Paris. Er war einer der größten Mathematiker und Astronomen seiner Zeit und wurde 1766 von Friedrich dem Großen an die Berliner Akademie berufen, später, 1787, zum Professor in Paris. Er hat bahnbrechende Erkenntnisse auf vielen mathematischen Gebieten erlangt, u.a. begründete er die moderne Variationsrechnung und arbeitete besonders auf dem Gebiet der Zahlen- und Reihentheorie, der Algebra und der theoretischen Astronomie.
In Fachkreisen bekannt sind die LAGRANGE-Gleichungen 1. und 2. Art. Dies sind Bewegungsgleichungen, mit deren Hilfe Lösungen durch Integration gefunden werden können zur Beschreibung der Bewegung komplexer (nicht nur mechanischer) Systeme. Mit Hilfe der Theorie von BIOT zur Lösung von Problemen der Wärmeleitung haben BACKHAUS und DICKEL die LAGRANGE-Gleichungen 1. Art für die Beschreibung der Diffusion von n Partikeln in einem osmotischen System aufgestellt. Die LAGRANGE-Funktion für verdünnte Lösungen wurde berechnet. Dazu kann die folgende Definition beachtet werden: L = T - V
(L = LAGRANGE-Funktion, T = kinetische Energie, V = potentielle Energie eines abgeschlossenen Systems)
Quellen: Grosses modernes Lexikon von Bertelsmann, Gütersloh (1988)
               Backhaus, Gerhard und Dickel, Gerhard ~ Lagrange-Funktion und Lagrange-Gleichungen zur Beschreibung der Parikeldiffusion in osmotischen Systemen, Zeitschrift Physik. Chem. N.F. (1976)

Mittwoch, 4. April 2012

Mein Kosmos 040412

Gestern habe ich meine 88-Jährige Seniorin, die ich seit ca. 2 Jahren gesellschaftlich begleite, besucht und ihr aus dem Büchlein von Margot Käßmann vorgelesen: Folge deiner Hoffnung, erschienen 2011 im Kreuz-Verlag.
Die Hoffnung ist größer
Drei Frauen, ein riesiger Stein, ein Engel und - die Angst. Drei Frauen: Maria, Salome und Maria von Magdala. Der Tag danach, der Tag, an dem die Leere zu einem tiefen, finsteren Loch wird. Es ist wahr, Jesus ist tot. Alle Hoffnung dahin, der Geliebte, der Freund, der Mann, der ihnen Hoffnung gegeben hat, wurde gekreuzigt wie ein Verbrecher. Der Tod scheint das Ende aller Hoffnungen zu sein. Und doch: die Frauen machen sich neu auf! Maria und Salome und Maria, sie haben das Dunkel durchwatet, und nun sind sie auf dem Weg in den Morgen. Diese Frauen haben die Geschichte getragen. Es sind Frauen, deren Liebe über alle Zerstörung, über alle Hoffnung hinausgeht.

Dienstag, 6. März 2012

Das Ganze

Im Taumel war ein Teil, ein Teil in Tränen/in manchen Stunden war ein Schein und mehr,/in diesen Jahren war das Herz, in jenen/waren die Stürme - wessen Stürme - wer?
Niemals im Glücke, selten mit Begleiter,/meistens verschleiert, da es tief geschah,/und alle Ströme liefen wachsend weiter/und alles Außen ward nur innen nah.
Der sah dich hart, der andre sah dich milder,/der wie er ordnet, der wie zerstört,/doch was sie sahn, das waren halbe Bilder,/da dir das Ganze nur allein gehört.
Im Anfang war es heller, was du wolltest/Und zielte vor und war dem Glauben nah,/doch als du dann erblicktest, was du solltest,/was auf das Ganze steinern niedersah,
da war es kaum ein Glanz und kaum ein Feuer,/in dem dein Blick, der letzte, sich verfing:/ein nacktes Haupt, in Blut, ein Ungeheuer,/an dessen Wimper eine Träne hing.
Gedicht von Gottfried Benn

Sonntag, 8. Januar 2012

Mein Kosmos 070112

Es ist Samstag Vormittag. Schneeregen fällt gelegentlich vom Himmel. Ich fahre mit meiner Partnerin Sigrid zum Hauptbahnhof. Cousine Almuth aus Norddeutschland hat sich mit ihrem Sohn Werner angemeldet. Der ICE kommt 5 min vor der Zeit an (Was für eine Leistung für die Deutsche Bahn!). Wir sehen sie und ihren Sohn zum ersten Mal. Es folgt eine herzliche Umarmung. Dann begeben wir uns ins nahe gelegene Intercity-Hotel, wo beide eine Nacht verbringen möchten. Anschließend nehmen wir eine kleine Mahlzeit in einem Bahnhofsrestaurant ein. Es gibt viel zu erzählen. Um 15 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Pinakothek der Moderne in der Barerstraße. Die Straßenbahn hat in der Nähe des Haupteingangs eine Haltestelle. Um 16 Uhr ist eine Führung angesagt. Wir lösen jeder eine Eintrittskarte und warten in der Rotunde auf die Kuratorin. Sie führt nach ihrem Eintreffen die Gruppe in den ersten Stock. Hier hängen mehrere Kunstwerke von Mike Kelly und einer Künstlerin, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Die Kunstobjekte gefallen meiner Partnerin nicht sonderlich. Almuth ist jedoch begeistert. Werner kümmert sich in erster Linie um die Beschaffung von Klappstühlen zum Hinsetzen während der Vorträge. Ich zeige mich interessiert. Befragt, wie es uns gefallen hat, sage ich dann am Ende der Veranstaltung, daß wir nicht so kunstnah in der Moderne angesiedelt seien und schon bei Joseph Beuys Probleme hätten. Die Kuratorin freut sich über die ehrliche Äusserung. Anschliessend begeben wir Vier uns ins Luitpold-Café in die Brienner Straße. Sigrid verabschiedet sich. Wir anderen bestellen uns ein Stück Kuchen mit Latte Macchiato bzw. einer Tasse Schokolade. Am Nachbartisch sitzt ein jüngeres Pärchen in einer Nische und tauscht innige Küsse aus. Ich fühle mich an meine eigene Jugend erinnert. Im Schneetreiben bringe ich meine Verwandten ins Hotel zurück.

Dienstag, 29. November 2011

Mein Kosmos 271111

Mein Sohn Chrissi (31) ruft um 15.15 Uhr wie angekündigt an: "Paps, ich steh' schon am Gymnasium im Jopsephsburgpark. Kommst Du mir entgegen?"-"Klar, bin gleich da!"-Einige Minuten später schütteln wir uns die Hand. Er ist 1,90 Meter groß und drückt mich kameradschaftlich an seine breite Brust. Wir machen einen Rundgang durch den Josephsburgpark bei sonnigem Novemberwetter. Ich berichte ihm von meinen Erlebnissen am Vortage. Ja, was war denn da los?: Mein Besuch in der Erlöserkirche in Schwabing um 17 Uhr! Ich nehme in der 5. Reihe am Mittelgang Platz und warte 1 Std. geduldig auf den Beginn der Adventsveranstaltung. Das Bayerische Fernsehen ist auch anwesend. Der Kirchenraum wird von mehreren Lichtern grell angestrahlt. Eine grosse Fernsehkamera wird von einem Kameramann im Mittelgang hin-und herbewegt, um die Einstellungen zu prüfen. Zwei oder drei andere Kameras sind mal auf die Zuschauer gerichtet, mal auf den Altarraum. Dort stellt sich der Kirchenchor auf. Ein Klavierspieler sitzt an seinem Flügel, eine Schottin an einer Harfe. Eine Fernsehmoderatorin erklärt dann den Ablauf der Veranstaltung für die nächsten 60 Minuten. Frau Prof. Margot Käßmann wird angekündigt. Sie hat schon in der ersten Reihe Platz genommen. Als glühender Verehrer klatsche ich begeistert Beifall. Sie tritt vor die zentrale Fernsehkamera und begrüßt die Gemeinde und alle Fernsehzuschauer in gewohnt souveräner Manier. Es werden deutsche und gälische Adventslieder gesungen. Eine amerikanische Gospelsängerin läßt sich vom Klavierspieler begleiten. Frau Käßmann präsentiert ein soziales Projekt in München, für das sie um Spenden bittet. Sie wirkt immer gelassener und lächelt zuweilen. Nach der Veranstaltung begebe ich mich nach vorne. M.K. steht gerade nicht bedrängt mitten in einem Menschenauflauf. Ich wünsche ihr Frohe Weihnacht und nenne meinen Namen. Sie erinnert sich an mich, habe ich sie doch vor 1 1/2 Jahren bei Hugendubel am Marienplatz anläßlich einer Signierstunde persönlich kennengelernt. Sie ist einfach eine wunderbare Frau. Den Samstagabend beschließe ich mit einem Rundgang über den Schwabinger Christkindlmarkt. ~ Chrissi und ich beenden unseren Spaziergang mit einer Tasse Tee im Hause bei entzündeter Adventskranzkerze, die in der Dämmerung schön leuchtet. Es war ein friedvolles Wochenende.

Donnerstag, 3. November 2011

Der Urknall

Wer kennt das gigantische Universum schon?/Muss sich nicht am Fernrohr recken/der schlaue Physiker oder Astronom?/Denn im Kosmos gibt's noch weisse Flecken!
Seit neunzig Jahren ist bekannt/das Auseinanderstreben der Sterne./Als Rotverschiebung so benannt/bei Beobachtungen aus der Ferne!
Es wird bebraucht viel Fantasie/zu ergründen, woher das Universum stammt,/und zu entwickeln die rechte Theorie!/Manch ein Experte hat sich schon geirrt im Amt!
"Materie kommt aus der Unendlichkeit/und existiert bis in alle Ewigkeit!".../gilt als interessantes Modell,/wurde auch verworfen nicht so schnell!
Jedoch das Wissen schreitet voran/mit der Entdeckung der kosmischen Mikrowellen/nach Generierung der Energiequellen./Experten massen ihre Länge sodann!
Die Werte entsprechen 2,7 Kelvin:/das Universum war komprimiert wie 'n kleiner Ball/und damals schon äusserst affin/so kurz nach dem fulminanten Urknall!
Die flinke Inflation blähte die träge Masse auf,/vereinzelt kam es zur kosmischen Explosion!/Die Expansion nahm ihren schicksalhaften Verlauf:/in Sternen begann die äonische Kernfusion!
Dies passierte vor 13,7 Milliarden Jahren!/Details entstammen Teleskopen von heute,/die früher ganz unbekannt waren!/Fasziniert sind Forscher und auch einfache Leute!